05.04.2026 Vielfalt – Nicht nur im Osternest!

Schwarzer Text auf weißem Hintergrund: „Selektionskonsens, der“

Wir wünschen uns Vielfalt – nicht nur im Osternest – und möchten Veras Gedanken mit Euch teilen:

🗣 „Am 20.3. fand die 1. Lesung des fraktionsübergreifenden Antrags ‚Kassenzulassung des nicht-invasiven Pränataltests – Monitoring der Konsequenzen und Einrichtung eines Gremiums‘ im Bundestag statt. Um den Tag herum erfreulich viel mediale Aufmerksamkeit. Das Thema schaffte es sogar in das Story-Karussell der Tagesschau-App. Ins ZDF, die Zeit, den Freitag, u.v.m..

Doch im Gedächtnis geblieben ist mir eigentlich nur ein Satz. Er scheppert mir seitdem durchs Hirn – egal, ob ich Auto fahre oder unter der Dusche stehe: ‚Es werden in Deutschland viel mehr Abtreibungen aus sozialen Gründen durchgeführt als wegen möglicher Behinderungen.‘ Ein Pränatalmediziner hat diesen Satz gesagt. Ein Redakteur fand ihn so wichtig, dass er nicht nur abgedruckt, sondern ihm in der Printausgabe der HAZ gleich noch einen Platz als Eyecatcher in der Seitenmitte eingeräumt wurde.

Versteht mich nicht falsch. Natürlich ‚hat jede Frau das Recht, ein behindertes Kind nicht zu wollen‘. Meiner Meinung nach sollte sogar jede Frau das Recht haben, eine Schwangerschaft unabhängig vom Grund zu beenden. Leichtfertig trifft eine solche Entscheidung wahrscheinlich so gut wie niemand. Beratungsangebote? Gerne! Pflichtberatung? Sehe ich kritisch.

Ich bin mir jedoch sicher: Wenn in Deutschland 9 von 10 Föten aus sozialen Gründen abgetrieben würden – dann wäre aber was los! Dann gäbe es reichlich Berichterstattung. Nicht nur an einem Tag. Es würde geforscht. Die Politik wäre bemüht, die Ursachen abzustellen, Bedingungen zu verbessern, vielleicht sogar Anreize zu schaffen. Niemand käme auf die Idee, Schwangerschaftstest gratis zu verteilen.

Denn dann wäre offensichtlich, dass es ein gesellschaftliches, ein strukturelles Problem geben müsse, das fast alle Frauen dazu bewegen würde, sich gegen die Fortsetzung einer Schwangerschaft zu entscheiden.

Wenn sich 9 von 10 Frauen auf Grund einer auffälligen Pränataldiagnostik gegen die Fortsetzung der Schwangerschaft entscheiden, bleibt der Aufschrei aus. Im Gegenteil. In Kommentarspalten wird mitunter sogar Beifall geklatscht. Ein relativierendes Zitat in der Seitenmitte platziert.

Schwangere erwägen einen Abbruch aus Angst vor lebenslanger Diskriminierung des Kindes, vor sozialem Abstieg und Ausgrenzung, vor lebenslangen Kämpfen mit Behörden, Versicherungen, Lehrkräften. Am Kind ist nichts falsch, nur am System!

Es geht nicht darum, individuelle, selbstbestimmte Entscheidungen zu kritisieren, sondern den zunehmenden Selektionsdruck, der von der Gesellschaft erzeugt wird, auch durch eine Kassenfinanzierung des NIPT. Durch die Signalwirkung, die davon ausgeht: ‚Es ist uns als Gesellschaft wichtig, dass jede Schwangere diesen Test machen kann. Wir halten ihn für sinnvoll.‘

Sich gegen den in der Gesellschaft weit verbreiteten Selektionskonsens zu stemmen, sollte selbstverständlich sein! Gerade in Deutschland. Denn so begann es schon einmal. Argument damals? Die Entlastung von Eltern, Wirtschaft und Gesellschaft.“

Berichterstattung rund um die 1. Lesung in den Medien:

https://www.zdf.de/video/reportagen/tru-doku-106/tru-doku-120

https://www.zdfheute.de/video/zdfheute-xpress/bundestag-bluttests-schwangere-trisomie-risiko-video-100.html

https://www.zeit.de/gesundheit/2026-03/schwangerschaft-praenataltest-trisomie-21-nipt-regulierung

https://www.haz.de/politik/bundestag-debattiert-ueber-trisomie-tests-jede-frau-hat-das-recht-ein-behindertes-kind-nicht-zu-5XRAX7YIXRGEJJ6TMQE225V2FM.html

https://www.freitag.de/autoren/ulrike-baureithel/trisomie-21-bundestag-diskutiert-ueber-die-folgen-von-praenataldiagnostik

https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/bundestag-debatte-bluttest-schwangerschaft-trisomie-down-syndrom-100.html

https://www.riffreporter.de/de/gesellschaft/nipt-bluttest-trisomie-21-down-syndrom-kassenleistung